Die Teile der DIN 7715 im Überblick
Die Ausgabe August 1970 fasste die zulässigen Maßabweichungen für alle Gummiteile in einem Blatt zusammen. Mit Blick auf die ISO-Norm 3302 wurde die deutsche Norm ab 1977 in einzelne Teile aufgeteilt. Formartikel und extrudierte Teile werden seit Oktober 1999 nach DIN ISO 3302-1 toleriert, Schläuche nach DIN EN ISO 1307.
- 1970 · AUGEin Blatt für alle Gummiteile
- 1977 · FEBAufteilung in Teile
- 1979 · NOVTeil 5 für Platten, gilt weiter
- 1983 · NOVTeil 3 überarbeitet
- 1999 · OKTDIN ISO 3302-1 ersetzt Teil 2 und Teil 3
- 2008 · APRDIN EN ISO 1307 für Schläuche
- 2018 · JUNIDIN ISO 3302-1, aktuelle Ausgabe
Mit „Spritzartikeln“ meint Teil 3 extrudierte Teile, der englische Titel lautet „extruded rubber products“. Teil 3 erschien zuerst im Februar 1977 und in überarbeiteter Fassung im November 1983. Der Warnvermerk zu Teil 5 geht auf eine Korrektur im DIN-Anzeiger 11/1980 zurück: In der letzten Zeile der Tabelle 1 fehlt vor den Prozentwerten das Zeichen ±.
DIN 7715-5: Klassen P1 bis P3 für Platten und Stanzteile
Teil 5 gilt für vulkanisierte Platten aus Weichgummi mit und ohne Einlagen, mit glatter oder profilierter Oberfläche, und für daraus hergestellte Artikel. Für Platten und Artikel aus Elastomeren mit zelliger Struktur gilt er nicht. Die Norm unterscheidet drei Toleranzklassen:
In der Regel soll laut Norm der mittlere Genauigkeitsgrad gewählt werden. Der feine Grad ist nur sinnvoll, wenn höhere Genauigkeit unumgänglich ist, und immer mit höherem Aufwand verbunden. Die zulässigen Abweichungen je Klasse und Nennmaßbereich stehen in Tabelle 1 der DIN 7715-5.
DIN ISO 3302-1: Nachfolger für Formteile und Extrusionsteile
DIN ISO 3302-1 regelt die Maßtoleranzen für Fertigteile aus Gummi. Die erste deutsche Ausgabe vom Oktober 1999 ersetzte DIN 7715-2 und DIN 7715-3. Aktuell ist die Ausgabe Juni 2018, die ISO 3302-1:2014 übernimmt. Sie legt Klassen für die Grenzabmaße und deren Werte für Formteile, extrudierte und kalandrierte Teile aus massivem Gummi fest, dazu die Prüfverfahren für den Nachweis. Nicht erfasst sind ringförmige Präzisionsdichtringe, kalandrierte Verbundprodukte wie gummibeschichtetes Gewebe und Produkte mit aufgebrachter Gummibeschichtung.
Formteile: Klassen M1 bis M4
Für Formteile aus massivem Gummi sieht die Norm vier Toleranzklassen vor:
An die Form und an den Formschluss gebundene Maße
Beim Formen wird mehr Gummi eingesetzt, als die Kavität fasst. Der Überschuss tritt als Austrieb aus und kann verhindern, dass die Werkzeugteile vollständig schließen. Deshalb gibt die Norm zwei Toleranzreihen an. An die Form gebundene Maße (F) werden weder von der Austriebsdicke noch vom seitlichen Versatz der Werkzeugteile beeinflusst. An den Formschluss gebundene Maße (C) können sich durch beides verändern. Für den Austrieb selbst enthält die Norm eine eigene Klassifizierung.
Extrusionsteile und kalandrierte Bahnen
Extrudierte Teile brauchen größere Toleranzen als Formteile, weil der Gummi nach dem Austritt aus der Düse aufquillt und beim Vulkanisieren schwindet und sich verformt. Für sie gelten eigene Klassen:
- Klassen für Extrusionsteile
- E1 bis E3 für Querschnittsmaße von Extrusionsteilen ohne Unterstützung
- EN1 bis EN3 für Querschnittsmaße von Extrusionsteilen, die auf einem Dorn gefertigt werden
- EG1 und EG2 für Außenmaße sowie EW1 und EW2 für Wanddicken geschliffener Extrusionsteile
- L1 bis L3 für geschnittene Längen und EC1 bis EC3 für die Dicke geschnittener Abschnitte
Kalandrierte Bahnen werden in der Dicke nach ST1 bis ST3 und in der Breite nach SW1 bis SW3 toleriert.
Toleranzklasse in der Zeichnung angeben
Nach DIN ISO 3302-1 dürfen verschiedene Maße auf derselben Zeichnung unterschiedlichen Klassen folgen. Nennt die Zeichnung keine Klasse, gilt die größte Toleranz aus der zugehörigen Tabelle. Welche Klasse anzuwenden ist, vereinbaren Besteller und Hersteller. Engere Klassen sollen nur verlangt werden, wenn die Anwendung sie erfordert, und nur für kritische Maße, denn mit der Genauigkeit steigen Aufwand und Kosten. Weichere Vulkanisate unter 50 IRHD brauchen in der Regel größere Toleranzen als härtere.
Ein Toleranzfeld darf auch ungleich verteilt angegeben werden, solange seine Gesamtbreite gleich bleibt. Statt ±0,4 ist dann zum Beispiel +0,8/0 möglich.
Für Platten nach DIN 7715-5 beschreibt die Norm den Eintrag genau. Im Schriftfeld steht unter „Maße ohne Toleranzangabe nach:“ oder „Freimaßtoleranzen nach:“ die Angabe DIN 7715 mit angehängter Toleranzklasse, im Beispiel der Norm P3. Maße, die einer anderen Klasse folgen, werden direkt bei der Maßzahl eingetragen. Fehlt jeder Hinweis, kann laut Erläuterungen der Norm die Klasse P3 als Handelsbrauch angenommen werden. Ein Hinweis auf DIN 7715 ohne Klasse oder die Angabe „grob DIN 7715“ bezieht sich auf die überholte Ausgabe von 1970, deren Werte für neue Fertigungs- und Bestellunterlagen nicht mehr angewendet werden dürfen.
Wann gemessen wird
Massive Gummiteile werden nach DIN ISO 3302-1 frühestens 16 Stunden nach dem Vulkanisieren gemessen, im Streitfall frühestens nach 72 Stunden. Abgeschlossen sein muss die Messung innerhalb von drei Monaten nach dem Versand oder vor dem Einbau, je nachdem, was früher eintritt. Gemessen wird bei Normtemperatur nach Konditionierung gemäß ISO 23529, ohne das Teil dabei zu verformen.
Toleranzen bei JRT
Für Teile von JRT gelten die DIN-Normen und Toleranzen der jeweiligen Produktgruppe, denn unterschiedliche Werkstoffe und Fertigungsverfahren erfordern eigene Toleranzen.
FAQ: DIN 7715 und Toleranzen für Gummiteile
Ist DIN 7715 noch gültig?
Nur Teil 5 für Platten und Plattenartikel aus Weichgummi. DIN Media führt DIN 7715-5:1979-11 als aktuell, die Teile 1 bis 4 sind zurückgezogen.
Welche Norm ersetzt DIN 7715 Teil 2?
DIN ISO 3302-1. Ihre Ausgabe 1999-10 hat die Teile 2 und 3 ersetzt, aktuell gilt die Ausgabe 2018-06.
Welche Normen gelten für Formteile?
Für die Maßtoleranzen von Formteilen aus massivem Gummi gilt DIN ISO 3302-1 mit den Klassen M1 bis M4. Welche weiteren Normen und Vorschriften greifen, hängt von Produktgruppe und Anforderung ab.
Was bedeutet M3 bei Gummiformteilen?
M3 ist eine Toleranzklasse aus DIN ISO 3302-1 und steht für Formteile guter Qualität. Feiner sind M1 und M2, gröber ist M4.
Welche Toleranz gilt, wenn auf der Zeichnung keine Klasse steht?
Nach DIN ISO 3302-1 die größte Toleranz der zugehörigen Tabelle. Für Platten nach DIN 7715-5 nennen die Erläuterungen der Norm die Klasse P3 als Handelsbrauch.
Welche Norm gilt für Toleranzen bei Schläuchen?
DIN 7715-4 ist zurückgezogen und durch DIN EN ISO 1307 ersetzt. Aktuell ist die Ausgabe 2008-04 mit Schlauchmaßen, Kleinst- und Größt-Innendurchmessern und Toleranzen für abgelängte Schläuche. Individuelle Vereinbarungen sind möglich, insbesondere bei handgefertigten Artikeln.